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BIPEDIA 27-6
Der Mensch als Ursprung aller Dinge - Gleichklänge zwischen Esoterik und Wissenschaft -
VON ANDREAS DELOR

dimanche 28 juin 2009


Wie es dazu kam

 Ich bin sicherlich ein Exot in diesem erlauchten Kreis, denn ich bin Anthroposoph und Musiker, kein Biologe, habe aber von Francois de Sarre die Einladung bekommen, über obiges Thema zu schreiben - also muss er die Verantwortung tragen ! Wie es dazu kam, will ich nicht verschweigen. Ich war nämlich der felsenfesten Überzeugung, dass außerhalb anthroposophischer Kreise die wissenschaftliche Anschauung, dass, verkürzt gesagt, " die Tiere vom Menschen abstammen ", längst ausgestorben sei - bis ich beim zufälligen Stöbern im Internet auf de Sarres " Theorie der ursprünglichen Zweifüßigkeit " stieß - und etwas sehr Verwandtes entdeckte.
 Ich nahm Kontakt auf und teilte Francois de Sarre mein Erstaunen darüber mit, wie wenig sich seine Anschauungen von denen anthroposophischer Biologen unterscheiden. Ich wusste von Hermann Poppelbaum, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine recht breite Bewegung unter Zoologen und Ärzten in dieser Richtung gegeben hatte ; er hat sie in seinem Buch " Mensch und Tier " fast alle aufgeführt - und nun fand ich alle diese Namen und noch mehr bei de Sarre wieder - der mich jetzt fragte : " Woher hatten Poppelbaum bzw. Rudolf Steiner ihre Kenntnisse über eine Evolution vom Menschen zum Tier ? Handelt es sich da um ein altes esoterisches Erbe ? "

 Meine Antwort :
 " Rudolf Steiner ( 1861 - 1925 ) ist Esoteriker, sogar einer, der sich auf keine Tradition, sondern allein auf eigene übersinnliche Schauungen beruft ( bekennender Anarchist ) - allerdings nach überallhin Anknüpfungspunkte sucht. Er hat selbst eine wissenschaftliche Schulung an der Technischen Universität Wien durchgemacht, Mathemathik und Physik - seinen Doktor machte er dann allerdings in Philosophie. Der Germanist Karl Julius Schröer empfahl den knapp zwanzigjährigen Steiner an Joseph Kürschner als weit und breit den Einzigen, der imstande sei, Goethes naturwissenschaftliche Schriften zu bearbeiten und herauszugeben, was dann auch geschah, sogar in zwei ganz verschiedenen Ausgaben. Steiners erstes eigenes Werk heißt : " Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung " ( 1886 ) ; sein Hauptwerk aus dieser Zeit : " Die Philosophie der Freiheit " ( 1894 ) . Er erlebt bei Goethe die Darwin/Haeckel`schen Ideen schon vorgebildet, allerdings, wie er sagt : " wesentlich geistvoller " . Bezieht sich damals schon auf Snell. Haeckel lernt er dann in den 90 er Jahren, als er im Weimarer Goethe/Schiller-Archiv wieder an der Herausgabe von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften arbeitet, persönlich kennen - und greift mit teils scharfen Artikeln in den Streit zwischen Haeckel und der Kirche völlig zugunsten Haeckels und Darwins ein. Überhaupt tritt er in dieser seiner " philosophischen Zeit " als einer der radikalsten Verfechter der Wissenschaft gegenüber dem Glauben auf, was damals gar nicht ungefährlich war. Philosophisch treibt er den Anarchismus á la Max Stirner auf die Spitze ( betont von Anfang an allerdings die Gewaltfreiheit ), und zwar von Seiten der Erkenntnistheorie aus.

 Als Esoteriker tritt er erst knapp nach der Jahrhundertwende auf, von heute auf morgen, es gibt kaum einen Übergang, die Menschen erkennen ihn kaum wieder. Er übernimmt den Vorsitz der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, 1912 / 13 aber gibt`s einen Bruch mit dieser, er begründet die Anthroposophische Gesellschaft. Mit seinen Werken " Aus der Akasha-Chronik " ( 1904 ) und " Die Geheimwissenschaft im Umriss " ( 1910 ) sowie in vielen Vorträgen begründet er u. a. eine esoterische Evolutions-Lehre, deren Inhalte dem heute gängigen wissenschaftlichen Weltbild allerdings sehr fremd gegenüberstehen - er weiß sich aber einig mit dem inneren, esoterischen Kern aller Weltreligionen. Immerhin sagt er von seiner Evolutionslehre, er wäre dazu nicht gekommen ohne seinen intensiven Durchgang durch Darwin, Haeckel und natürlich Goethe. Auch als Esoteriker bleibt er Anarchist, verlangt von keinem, dass er ihm irgendetwas glauben soll, ja verlangt geradezu, man solle alle Aussagen von ihm " mit den neuesten Methoden der neuesten Wissenschaft " überprüfen. Natürlich hat er mit diesem Anspruch die meisten überfordert. Gläubige Anhänger will er nicht haben - die hat es dann leider doch überreichlich gegeben. " Ich will nicht verehrt, ich will verstanden werden ".
 Hermann Poppelbaum ist einer der damals jungen Wissenschaftler, die sich der Aufgabe unterzogen haben, Steiners Angaben auf dem Feld der Evolutionsbiologie zu überprüfen. Ein sehr guter Mann auf diesem Gebiet ist auch Friedrich A. Kipp : " Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit " ( Stuttgart 1980, überarbeitet u. ergänzt 1991 ). Es gibt noch weitere, aber die Herausragenden sind schon Poppelbaum und Kipp. Ich selber habe in den Siebziger Jahren noch den holländischen Arzt Dr. L. F. C. Mees kennengelernt, der in Vorträgen und in seinem Buch " Tiere sind, was Menschen haben ", ( Stuttgart 1987 ) all diese Aspekte sehr lebendig und humorvoll rübergebracht und mich dafür begeistert hat. Mees hat sich sehr auf seinen Landsmann und Lehrer Louis Bolk bezogen - über dessen Forschungsarbeit gibt es jetzt ein anthroposophisches Buch von dem Holländer Jos Verhulst : " Der Erstgeborene " ( Stuttgart 1998 ). "
 - Aufgrund dieser Auskunft kam dann François de Sarres Einladung, einen Aufsatz über das Thema zu schreiben.

 Vorsicht : ich schreibe " als Anthroposoph " und " Nicht-Wissenschaftler " " frei von der Leber weg ", ohne das wissenschaftliche " Fach-Chinesisch " - muss allerdings sagen, dass ich dennoch einen absolut wissenschaftlichen Anspruch an mich selber stelle. Ich schreibe auch nicht " im Namen der Anthroposophie ", sondern " so wie ich Anthroposophie sehe " - da gibt es nämlich ( gottseidank ! ) extreme Unterschiede. Auch ist es nicht so, dass ich mich auf Anthroposophie versteifen würde - bin offen für alle esoterischen Strömungen - nur habe ich bislang auf dem Felde der Evolution noch nichts gefunden, was der " Theorie von der ursprünglichen Zweifüßigkeit " so nahe kommt wie gerade die Anschauung Rudolf Steiners. Es gibt zweifellos kleine Differenzen - die muss es einfach geben zwischen freien Denkern ! - aber nicht sie möchte ich hier betonen, sondern die Gemeinsamkeiten.

 

I. Steiners " Evolutionslehre "

 Ich darf, bevor ich versuche, seine Evolutions-Anschauung in aller Kürze zu skizzieren, wiederholen, dass Rudolf Steiner sich scharf dagegen ausgesprochen hat, ihm seine " okkulten Angaben " zu glauben, sondern verlangte, dass alles " auf Spitz und Knopf " wissenschaftlich nachgeprüft wird. Geschieht das nicht, ist Steiners Lehre einfach verrückt ; wer das Folgende glaubt, ohne selber zu forschen, " gehört in die Irrenanstalt " - forschen aber heißt, dass alles offen sein muss. Zwar ist sich Steiner " seiner Sache sicher ", für Andere aber wollte der Anarchist Steiner seine Angaben als Frage, nicht als Antwort verstanden wissen.

 Rudolf Steiner beschreibt, dass die gesamte frühe Erde (samt dem Kosmos) ein lebendiger, beseelter, göttlich-geistiger Organismus bzw. sogar ein göttlich-geistiges Wesen ist, aus dem sich erst sehr viel später die einzelnen Lebewesen heraus-differenzieren - als Sterbeprozess des Gesamt-Organismus, aus dem dann aber die Einzel-Organismen in erhöhter Lebendigkeit hervorgehen :
 "So werden wir durch die Geisteswissenschaft ( Anthroposophie ) zu der Erde geführt als einem Organismus - nicht zu einem Urzustand unserer Erde, in welchem sie sozusagen tote Masse war, sondern wo die Erde ursprünglich ein großer Organismus war. Im Sinne der Geisteswissenschaft muss man nämlich eine Frage, die heute ganz falsch gestellt wird, geradezu umdrehen. Keine Wissenschaft wird - wenn sie annimmt, dass unsere Erde einstmals eine tote Kugel war, worin nur chemische und physikalische Prozesse sich abgespielt haben - in der Lage sein, erklären zu können, wie aus dieser toten Kugel heraus das Leben hat entstehen können. Das ist eine große Streitfrage, aber sie wird in der Regel ganz falsch gestellt. Denn man fragt gewöhnlich : Wie hat sich aus dem Leblosen Leben entwickeln können ? - Aber so ist es nicht : nicht dem Lebendigen geht das Leblose voran, sondern umgekehrt, dem Leblosen geht das Lebendige voran. Das leblose Mineral ist ein Absonderungsprodukt, wie unsere Knochen eine Absonderung unseres Organismus sind. So ist alles Gestein ein Absonderungsprodukt unseres Erdenorganismus, und geistig-seelische Prozesse sind es - wenn auch zunächst Zerstörungsprozesse -, die bewirkt haben, dass unser Erdenorganismus zu solchen Absonderungen kam. ( ... ) Daher musste die gesamte Stoffmasse unserer Erde erst,durchgesiebt` werden, die heute bloß mineralischen Stoffe ausgeschieden werden und diejenigen zurückbehalten werden, welche heute die Organismen bilden können, die nur von einem Teile des alten Stoffmassives durchsetzt sind. Das sind die Teile, die sich erst jetzt bilden können - zum Beispiel zu dem, was heute der Mensch ist. " ( Rudolf Steiner : " Was hat die Geologie über Weltentstehung zu sagen ? " , 9 . 2 . 1911, in " Antworten der Geisteswissenschaft auf die großen Fragen des Daseins ", GA 60 )

 Von allen Organismen aber entsteht nach Rudolf Steiner zuerst der Mensch - er bezeichnet ihn als Inhalt der " Religion der Götter " - , allerdings in Formen, die man sich heute kaum als menschlich vorstellen kann. Als anfangs rein übersinnliches, später immer noch ungeheuer weiches, flüchtiges, quallenartig durchsichtiges Wesen kam der Mensch auf die Welt - und schwamm/schwebte über urlange Zeiten in der damals viel dichteren Atmosphäre. Wer sich " in eine ökologische Nische hinein spezialisierte " , dadurch zu früh verhärtete und daher Fossilien hinterließ, konnte nicht mehr Mensch sein ; diese Leiber wurden von Tierseelen bezogen. Der Mensch selber blieb am längsten weich ; er blieb unspezialisierter " Generalist ", von daher viel " primitiver " als die von ihm abstammenden Tiere : er ist der allerletzte, der paläontologisch nachweisbar ist. Vom Menschen stammen alle Tiere ab, sogar die Pflanzen, die einzelligen Wesen, letztlich sogar die Mineralien - nicht umgekehrt.

 Von Helena Petrowna Blavatsky, Begründerin der Theosophischen Gesellschaft ( 1875 ), übernimmt Steiner die Termini für die Epochen der Erdentwicklung : die polarische, hyperboräische, lemurische, atlantische und nachatlantische Zeit und behält sie auch zeitlebens bei, wenngleich er ihnen ganz neue Inhalte gibt. Grundlegendes darüber findet man sowohl in Steiners " Aus der Akasha-Chronik " ( GA 11 ) wie auch in seiner " Geheimwissenschaft im Umriss " ( GA 13 ).

 "Die Erde war ursprünglich ein großer Organismus" - sie war sogar ein göttlich-geistiges Wesen, genannt Adam Kadmon, von Steiner allerdings oft auch als "ein riesiger Mensch" bezeichnet. Auch der germanische Ur-Riese Ymir ist ein Bild davon. Alle Pflanzen, Tiere und auch Menschen-Vorfahren waren damals noch keine Einzel-Individuen, sondern ( auch wenn sie beweglich waren ; das sind unsere Blutkörperchen ja auch ) wie Zellen im Gesamt-Organismus von Adam Kadmon. Dieser Zustand dauerte von der " polarischen " über die " hyperboreische " bis zur Mitte der " lemurischen " Epoche, danach " wurde Ymir von Odin und seinen Brüdern getötet " ( s . u . ).

 In der polarischen Epoche bestand die Erde nach Steiner - es ist aber tatsächlich uralte esoterische Lehre - nur aus " Feuer ", die Menschenvorfahren ( als " Zellen " von Adam Kadmon ) hatten Kugel- bis Ei - Gestalt (  wie heute nur noch ihre Aura ). Dann verdichtete sich diese Substanz in der hyperboräischen Zeit zum Gasförmigen, Luftigen ; die Menschen metamorphosierten sich in dieser Gas-Substanz zu einer pflanzenhaft -kelchartigen bzw . blütenartigen Form. In dieser Epoche erst trennten sich Erde und Sonne. Wir sind also noch mitten im " Urnebel " ( es ist mir bewusst, dass die Astronomie diesen Urnebel schon lange aufgegeben hat zugunsten von frei im Sonnensystem herumschwirrenden Brocken, aus deren Zusammenstößen und Verklumpungen sich dann die Planeten gebildet haben sollen ).

 Die darauffolgende lemurische Epoche brachte dann eine Verdichtung bis zum Wässrigen, ja bis zu einer ersten Verfestigung. ( Zäh - )flüssig war nach Steiner über lange Zeiten , das was heute als von der Erdurzeit an als fest angenommen wird : die Erd - " Kruste " . Auf diese wabbelige " Kruste " regneten aus der damaligen " Ur - Eiweiß -Atmosphäre " nacheinander " in wachsartiger Konsistenz " sämtliche kontinentalen Gesteine herab ( etwa ab dem Granit ; die darunterliegenden Basalte und Peridotite hatten sich bereits früher niedergeschlagen ) . Was sich niederschlug, war zwar im Verhältnis zu heute immer noch " lebendig ", aber immerhin zu einem Grad abgestorben - das Leben dagegen konzentrierte sich immer mehr in der " Eiweiß-Atmosphäre" - die man sich durchaus vergleichbar dem mütterlichen Fruchtwasser vorstellen kann ; sie hatte auch eine ähnliche Funktion ( ein davon abgesondertes Meer gab es noch nicht ) . " Um einen Grad abgestorben " kann man sich etwa wie unser heutiges Knochensystem vorstellen - unsere Knochen sind einerseits noch lebendig, andrerseits aber das Toteste, das wir an uns tragen, geradezu das Symbol des Todes. Die immer noch wabbelige Gesteinskruste bildete Adam Kadmons " Schädel " ( dessen Rumpf und Gliedmaßen nach okkulter Überlieferung im damaligen Planetensystem zu finden waren ).

 Dieser Zustand dauerte an, bis die Einzel-Menschen ( " Zellen " ) mit dem " Ich " begabt wurden ( was den Tod für den Gesamt -Organismus bedeutete ; Ymir musste von den Göttern getötet werden ) - dies war der allererste Keim zur Zersplitterung, welche sich aber so richtig erst heute durchgesetzt hat. ( Wenn man sich hier sachgemäße Vorstellungen bilden will, ohne auf Steiners Schilderungen allein angewiesen zu sein, kann man einerseits auf die Bilderwelt alter Mythen zurückgreifen und andererseits vergleichend Vorgänge, wie sie die moderne Embryologie beschreibt, heranziehen, wie es etwa die anthroposophischen Ärzte Karl König ( " Embryologie und Weltentstehung " , Freiburg i .Br . 1967 ) und Kaspar Appenzeller ( " Die Genesis im Lichte menschlicher Embryonalentwicklung " , Basel 1976 ) getan haben. Auch die Arbeiten des der Anthroposophie nahestehenden Embryologen Erich Blechschmidt, der mit seinem ganzen Lebenswerk gezeigt hat, dass der Mensch immer und von Anfang an Mensch gewesen ist und nicht etwa ontogenetisch "Tierstadien" durchlaufen hat, sind hier sehr wertvoll. - Für die Vorstellung einer Ur - Wassersphäre der Erde mit einer zähflüssigen Gesteinswelt hat neuerdings Martin Frey mit seiner auch im Internet präsentierten " Mehr Wasser " -These hilfreiches Material zusammengestellt - den umfassendsten Entwurf einer ganz eigenständigen " goetheanistisch " -wissenschaftlichen Untermauerung von Steiners "Geheimwissenschaft im Umriss" hat indessen der Geologe Dankmar Bosse mit seinem Hauptwerk " Die gemeinsame Evolution von Erde und Mensch " ( Stuttgart 2002 ) vorgelegt, in dem man reichhaltiges Material für all das hier Skizzierte finden kann, s . u . )

 Die Menschen hatten laut Rudolf Steiner in der Lemuris anfangs eine fisch - artige, später amphibien - bis reptilien - artige, am Ende ( nach dem " Ich - Einschlag " ) sogar säugetierähnliche ( " kentaurische " ) Gestalt. Das " Ich" wurde den Menschen durch hohe Götterwesenheiten ( die biblischen Elohim ) verliehen - vorher lebten sie ein durchaus den Tieren vergleichbares Dasein. Durch diesen Ich - Einschlag richteten sich die Menschen auf und wurden warmblütig ; sie " schwammen " zwar immer noch in der dichten Atmosphäre, jetzt aber nicht mehr waagerecht wie früher ( wie Fische und Molche ), sondern senkrecht, quasi wie warmblütige große Seepferdchen, von der Gestalt her allerdings schon uns heutigen Menschen ein wenig ähnlich.
 Auch der " Sündenfall ", die " luziferische Versuchung ", erfolgte zu dieser Zeit ( kurz nach dem Ich-Einschlag ) - ohne ihn hätte der Mensch später nicht frei werden können. Durch Missbrauch der Kräfte des Ich ( erste Formen schwarzer Magie ) wurden am Ende der Lemuris gewaltige Feuerkatastrophen ausgelöst ( welche Dankmar Bosse - s . o . - unschwer als die gewaltigen Flutbasalt -Katastrophen identifiziert hat, welche in der Kreidezeit kulminierten ).

 Die Erde war nach Steiner entgegen modernen geologischen Vorstellungen bis zur lemurischen Zeit ( welche mit der Kreidezeit abschließt ; die lemurische End - Katastrophe ist identisch mit dem großen Sauriersterben an der Kreide / Tertiär-Grenze ) mindestens teilweise noch weich. Erst zu Beginn des Tertiär ( " atlantische Zeit " ) wird nach Steiner die Erde insgesamt fest.

 Aber noch nicht der Mensch. Die Atmosphäre ist im Tertiär laut Steiner immer noch extrem dicht, nebelgeschwängert - das " Niflheim " ( Nebelheim ) der Germanen ( Nibelungen ) sei eine Erinnerung daran - und in dieser Suppe schwimmen immer noch die ganz weichen und zarten Menschen, " Seepferdchen - artig " ( das ist ein Ausdruck von mir, nicht von Steiner ! ). Im Tertiär spalten sich dann vom Menschen die Affen ab, später die Menschenaffen - und dann die Vor - , Früh - und Altmenschen, die nach Steiner alle nicht unsere Vorfahren sind, sondern " zu früh spezialisierte Seitenlinien ". Unsere wirkliche Vorfahrenreihe beginnt erst direkt mit dem Homo Sapiens.
Von allen " typisch menschlichen " Eigenschaften entwickelte der Mensch nach Steiner zuerst die Aufrichte ( " Seepferdchen " - der geniale Entwurf des " Homunculus " von François de Sarre hat mich sehr daran erinnert, mit seinen Paddeln statt Händen und Füßen ; selbst der " Kopf als Schwimmblase " hat etwas Bestechendes ! ), woraus dann, als der Mensch - immer noch weichkörprig, ohne Fossilien zu hinterlassen ! - " auf der Erde ankommt ", die Zweifüßigkeit entsteht. Als Zweites entwickelt er, bereits im Tertiär, die Sprache. Und das Denken kommt erst ganz spät, am Ende der Eiszeit, und auch da erst ganz " keimhaft ". So richtig ringt es sich erst im Laufe der " nach - atlantischen " Zeit ( nach der Eiszeit ) heraus - und drängt die bis dahin ganz allgemeine Hellsichtigkeit - alle Menschen sind nach Steiner damals hochgradig hellsichtig ; bei Naturvölkern kann man dieses Hellsehen auch heute noch beobachten - immer mehr zurück.

 Mit der seit dem 20. Jahrhundert langsam wieder neu einsetzenden Spiritualität aber erwächst auch ein ganz neues Hellsehen bei immer mehr Menschen, welches nicht mehr im Widerspruch zum Denken steht. Dieses Hellsehen wird nach Steiner noch lawinenartig anschwellen - man braucht sich dazu nur unter seinen Mitmenschen einmal umzusehen. ( Fast jeder dürfte heute in seinem Bekanntenkreis Menschen mit hellsichtigen Fähigkeiten kennen und wenn scheinbar nicht, dann nur deshalb, weil diese nicht darüber zu sprechen wagen - insgesamt komme ich in meinem Leben auf etwa 20 in der allerverschiedensten Weise hellsichtige Menschen, von denen ich es sicher weiß - die Dunkelziffer ist mit Sicherheit um etliches höher.) Die bislang " absteigende" spirituelle Entwicklung hat ihren Tiefpunkt bereits überschritten und sich - seit dem Erringen der menschlichen Freiheit - in eine aufsteigende umgewendet.

 Was den Menschen von allen Tieren unterscheidet, ist sein " Ich ", sein Denken, sein Selbstbewusstsein. Von Inkarnation zu Inkarnation " kommt der Mensch immer mehr zu sich ", stößt mehr und mehr zu Sich Selber durch. Das Göttliche braucht den zu Sich Selbst gekommenen Freien Menschen als Spiegel. Der Freie Mensch ( dazu musste es das " Böse " geben, ohne dies gibt es keine Freiheit ! ) ist der Göttliche Mensch - umso mehr, je freier er wird ; dazu gehört als erster Schritt, die ungeheure Unfreiheit, all die furchtbaren Abhängigkeiten, in denen wir stecken, erst realistisch zu durchschauen, als Vorbedingung, um sie innerlich überwinden zu können - ohne den Freien Menschen aber könnte Gott Sich Selbst nicht erkennen. Gott hat Sich also " in zwei Teile geteilt ", um Sich auf höherer Stufe wieder mit Sich Selbst zu vereinigen. Dies ist im Ursprung die Aussage aller Religionen - in Bilder eingekleidet -, wenngleich heute diese Aussage manchmal kaum noch zu erkennen ist.

 

II. Phänomene der Biologie

 Soweit die esoterischen Angaben Rudolf Steiners - wie ich sie verstanden habe. Wie aber ist so etwas überhaupt nachprüfbar ? Mit dem, was jetzt folgt, werde ich vermutlich " Eulen nach Athen tragen " - es muss aber sein. Von anthroposophischer Seite aus wurden - so sehr Rudolf Steiner auch seinerzeit Darwin und Haeckel gegen die kirchlichen Angriffe vehement verteidigt hatte - gegen den Darwinismus als Ausdruck einer geistlosen, nur auf Mutation und Selektion bzw . dem reinen Zufallsprinzip beruhenden Evolution ( " Gott würfelt nicht " , sagte Einstein ) im Wesentlichen stets drei Punkte vorgebracht :

  • erstens fehlen zwischen sämtlichen Arten, Gattungen, Familien usw. die kontinuierlichen Zwischenglieder ( missing links ), die der Darwinismus fordern muss,

  • zweitens sind viele biologische Gebilde von einer Komplexität, die nicht aus einfachen Formen entstanden sein können, da sie in dieser Form noch nicht funktionieren würden und
  • drittens sind die embryonalen Formen der Tiere stets viel menschlicher als die erwachsenen.

 Tatsächlich fehlen zwischen den Arten, Gattungen und Familien im Tierreich buchstäblich sämtliche Übergangsformen. Man schaue in irgendein beliebiges modernes Biologie-Buch : Stammbäume werden heute grundsätzlich mit gestricheltem Stamm, sogar mit gestrichelten Haupt-Seitenästen gezeichnet : man hat tatsächlich keine verbindenden Formen gefunden ! Außerdem, und das deutet auf das Gleiche, werden seit längerem Stammbäume immer mehr als " Stamm - Büsche " gezeichnet - auch dies, weil keinerlei wirkliche Stamm-Formen gefunden wurden. Der Darwinismus schaut nicht auf die Phänomene, sondern stülpt seine Erklärungen den Erscheinungen über. Steiners Position ist, dass der eigentliche, fossil nicht in Erscheinung tretende Stamm von dem sich entwickelnden weichkörprigen Menschen gebildet wird ; von seinen frühen Gestalten stammen alle Tiere ab, aber auch große, bereits tierische Seitenäste sind noch so weich, dass keine Fossilien vorliegen, und erst die kleinen Zweiglein verhärten und erscheinen versteinert.
 Trotz der gestrichelten und mit Fragezeichen übersäten Stammbäume kommt natürlich heute kein Paläontologe auf die Idee, die Zwischenglieder würden grundsätzlich fehlen ; man redet sich mit Fundlücken heraus. Warum aber fehlen ausgerechnet die Stämme ? Nur aus den ( zweifellos vorhandenen ) Fundlücken allein ergäbe sich ein Stammbaum, dessen Bild einem Schweizer Käse gliche, nicht aber ein Baum mit durchgehend fehlendem Stamm. Oder man erklärt doch immer wieder Formen, die bereits zu spezialisiert sind, zu Stamm - Formen, wie das in der Frühzeit des Darwinismus in naiver Weise getan wurde. Aus einem Pferd kann sich aber kein Elefant mehr entwickeln und umgekehrt.

 Daneben spricht für Steiners Anschauung, dass hochkomplexe Organe, die nur in ihrer Komplexheit funktionieren, nicht aus unvollkommenen Vorläufern entstehen können, da diese nicht funktionstüchtig sind und somit keinen Selektionsvorteil bieten - dies ist auch eine der Haupt-Argumentations - Ebenen der Vertreter des " Intelligent Design " . Am deutlichsten wird es bei hochkomplizierten Symbioseformen : " Man sehe sich nur einmal den komplizierten und geradezu raffinierten Bestäubungsmechanismus unseres heimischen Wiesensalbeis an : er ist ohne die aktive Anwesenheit der Biene weder verstehbar noch sinnvoll. Und er soll zufällig entstanden sein, um dann zufällig irgendwann von einer Biene entdeckt zu werden ? Er wäre doch vorher wegen fehlender Bestäubung längst ausgestorben. Welche Zumutung an die Vernunft ! Seine ganz anders aussehenden amerikanischen Verwandten, z . B . der Scharlachsalbei unserer öffentlichen Anlagen, haben langgestreckte rote Blütenröhren, an denen keine Biene landen kann, aber Kolibris im Flug ihre langen Schnäbel problemlos wie ein Futteral zu versenken vermögen. " ( Andreas Suchantke, anthroposophischer Biologe, in dem Interview "I ntelligent ja, aber kein Plan " in " Info3 ", März 2006 ) . - Die Evolution unterliegt ganz anderen Gesetzen, als Darwin es sich vorstellte.

 Hinzu kommt nun, dass embryonale und bei den Affen auch noch frühkindliche Formen von Tieren allesamt sehr viel " menschlicher " sind als ausgewachsene. Nach Ernst Haeckels biogenetischem Grundgesetz : " Die Keimesgeschichte ist eine verkürzte Wiederholung der Stammesgeschichte " wäre bereits allein daraus zu folgern, dass die Tiere vom Menschen abstammen, nicht umgekehrt :
 " Die Ontogenese des Affenschädels lässt deutlich erkennen, dass auch bei den Tierprimaten die Kopfform zuerst menschenähnlich angelegt ist, nachgeburtlich jedoch einen Umbruch durchmacht, wobei die Kieferregion sekundär eine mächtige, bei manchen Arten geradezu hypertrophierte Vergrößerung erfährt, während die Hirnregion - im Zusammenhang mit dem verstärkten Muskelansatz - in eine untergeordnete Rolle gedrängt wird. Die zuerst menschennahe Anlage wird sekundär durch eine tierähnliche ersetzt. ( ... )
 Das Unabhängigwerden von der ökologischen Bindung und die fortschreitende Autonomie, welche der Mensch auf seinem Evolutionsweg genommen hat, sind nur in Verbindung mit der fortschreitenden Vervollkommnung des Großhirns möglich geworden. Demgegenüber sind die Affen spezialisierte Klettertiere. Die Zoologie liefert keine Anhaltspunkte dafür, dass das Kletterleben eine besondere Großhirnentwicklung erfordern würde. Unter den Reptilien finden sich eine größere Zahl kletternder Arten, bei denen aber kein größeres Vorderhirn als bei den bodenlebenden festzustellen ist. Auch aus mehreren Säugergruppen sind Klettertiere hervorgegangen, so die Faultiere, aus der Nagergruppe die Hörnchen und die Schlafmäuse, aus der Raubtiergruppe Marder, Luchs und Panther u. a. , die ebenfalls keine besondere Großhirnzunahme ausweisen. Wenn nun bei den Affengruppen in aufsteigender Reihenfolge die Cerebralisation mehr und mehr zunimmt, so ist dieses Faktum nicht aus der Daseinsweise der Affen, daher nicht den Anforderungen ihres Kletterlebens, sondern nur im Hinblick auf die Werdegeschichte des Menschen zu verstehen. Soweit die Tierprimaten bzw . deren Vorfahren den menschlichen Evolutionsweg mitgemacht haben, hatten sie auch teil am fortschreitenden Cerebralisationsprozess. Nachdem sie sich von der menschlichen Richtung getrennt und den Weg in die Spezialisierung eingeschlagen haben, stagnierte die Gehirnentwicklung bei ihnen und blieb auf der bis dahin erreichten Stufe stehen.
 Bei Besprechung der Schädelontogenese der Menschenaffen wurde schon hervorgehoben, dass im frühkindlichen Stadium - ähnlich wie beim Menschen - das Foramen magnum nach unten gerichtet ist. Erst im weiteren Entwicklungsverlauf rückt es mehr an den hinteren Rand der Schädelunterseite. Es ist eine höchst merkwürdige Sache, dass diese rückwärtige Lage des Hinterhauptsloches bei den Affen nicht auf dem direkten Wege angesteuert, sondern auf dem Umweg über einen zuerst menschenähnlichen Zustand erreicht wird. Beim Menschen hängt die zentrale Lage des Hinterhauptloches mit der aufrechten Körperhaltung zusammen und ist dadurch sinnvoll. Wie soll man es aber verstehen, dass die jungen Affen einen solchen Zustand durchlaufen ? Die Aufrichtung des Menschen bzw. des Menschenvorfahrs hat, wie man heute annimmt, in den späteren Epochen der Tertiärzeit stattgefunden. Die Lage des Foramen magnum am kindlichen Affenschädel legt die Deutung nahe, dass die Menschenaffen in einem Frühstadium ihrer Evolution der aufrechten Körperhaltung einmal schon näher waren, als man nach ihrem heutigen Verhalten erwarten würde. Durch die Spezialisierung auf das Kletterleben ist das bereits Erreichte jedoch wieder verlorengegangen. " ( ... )
 " So wie man die Einpassung der Tiere in die Umweltgegebenheiten als Adaption zu bezeichnen pflegt, so darf man ( ... ) beim Evolutionsweg des Menschen von einem Anti - Adaptions - bzw. einem Emanzipationsprinzip sprechen. Der Mensch entwickelt sich entgegen den sonst geradezu gefällehaft stattfindenden Adaptionsprozessen. Dass dies möglich war, ist ( ... ) hauptsächlich der beschirmten Jugendzeit zu verdanken. ( ... ) Macht man sich klar, dass die menschliche Evolution sich in einer der Anpassungstendenz entgegengesetzten Richtung bewegte, dann begreift man auch, dass auf diesem Weg immer wieder Schwierigkeiten und Krisen aufgetreten sein mochten ( ... ) Man darf vermuten, dass es immer wieder Populationen der menschlichen Vorfahrenschaft gegeben hat, welche dem schwierigen Weg nicht gewachsen waren, ihn nicht durchhielten und darum auf einer bestimmten Stufe stehengeblieben sind und in die " Geborgenheit des Naturdaseins " zurückkehrten. Wer sich den Ausnahmecharakter der menschlichen Evolution vor Augen stellt, kann nicht umhin, solche Gefahrenzeiten und Krisensituationen anzunehmen. ( ... ) Nach dem bisher Dargestellten wird der Leser kaum mehr im Zweifel sein, dass die Tierprimaten solche stehengebliebenen und " abgeirrten " Seitenformen des menschlichen Evolutionsweges sind. Der Verlauf ihrer Ontogenese zeigt mit aller Deutlichkeit, dass sich die Affen zunächst in der menschlichen Richtung entwickelten, dass sie diese aber nicht beibehielten, sondern sekundär eine andere Bahn eingeschlagen haben, durch die sie sich von der menschlichen Linie wieder entfernten. " ( Friedrich A. Kipp : " Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit ", Stuttgart 1991 ).

 Es lässt sich in diesem Sinne vielleicht nachvollziehen, dass der " Sonderweg " des nun einmal Ich - begabten Menschen zu sich selbst ( zum Ich -Bewusstsein ) nicht möglich geworden wäre ohne die kräftige ( und " autoritäre " ) Mithilfe der Götter und deren " Vermittler " : auf Erden inkarnierter " Halbgötter " oder " großer Eingeweihter " . Ohne solche Hilfe wären vermutlich alle ( damals noch ganz kindlichen ) Menschen den Weg ins Tierische gegangen.

 Ein weiteres Indiz für eine Herkunft der Tiere vom weichkörprigen Menschenvorfahren ist das schlagartige Auftreten einer großen Gruppe verschiedener Tier - Familien, die nach Darwin eine ungeheuer lange Zeit bräuchten, um sich auseinander zu entwickeln. Dies geschieht an zwei markanten Punkten der Erdgeschichte : zu Beginn des Kambrium und zu Beginn des Tertiär ; es mag durchaus noch weitere solche Punkte geben. Im Kambrium erscheinen buchstäblich " aus dem Nichts " ( " kambrische Explosion " ) bereits sämtliche heutigen hartschaligen und Münder - bewehrten Tiergruppen, sogar bereits die Vorläufer der Wirbeltiere - also bis auf die Einzeller ( die waren schon vorher da ) quasi alles, was es heute auch gibt. ( Die davor lebenden Ediacara - Organismen hatten keine Schalen, keine Knochen noch auch Münder, um einander aufzufressen - es gibt Vermutungen, ob es nicht große, " luftmatratzenartige " Einzeller waren. ) Die Tatsache jedenfalls, dass im Kambrium Vorformen aller heutigen Tiere auf einmal auftauchen, kann nur bedeuten, dass sie sich schon lange, lange vorher in Formen entwickelt haben müssen, die so weich waren, dass sie keine Fossilien hinterließen.

 Der zweite solche Punkt ist der Beginn des Tertiär, als alle heutigen Säugetier-Familien genauso aus dem Nichts erscheinen. Es gab schon vorher Säugetiere, sogar seit der Trias ; sie waren klein, Ratten - bis Insektenfresser - artig ; etliche Typen davon sind lange vor dem Tertiär bereits wieder ausgestorben - aber die heutigen Gruppen erscheinen erst zu Beginn des Tertiär, dann aber alle auf einmal.

 

III. Phänomene der Geologie

Die Ur-Suppe

 "Damals ( in der Lemuris ) war er ( der Mensch ) etwa so in einem physischen Leibe, wie wenn Sie sich denken würden, dass der Mensch heute nicht mit seinen Füßen auf der Erde stünde, sondern sich in die Luft erhöbe, und dass er ferner keine Knochenbestandteile in sich hätte, sondern noch der Luft- und Wasserregion angehörte, wobei wir uns das Wasser in der Luft aufgelöst vorstellen müssen. Da würde er sich wie ein durchsichtiges Wesen im Umkreis der Erde befinden. Ein heutiges Auge würde diese Menschen nicht unterscheiden können von seiner Umgebung, wie etwa ein heutiges Auge auch gewisse Meerestiere nicht von ihrer Umgebung unterscheiden kann, weil sie im Grunde genauso aussehen wie ihre Umgebung. Wie ein durch die Luft hinhuschendes Wesen kann man sich einen solchen Menschen vorstellen. ( ... ) Denn diese Leiber waren so, dass wir nicht einmal die Überreste davon finden können ; die Substanz war noch so weich, dass von Überresten nicht die Rede sein kann. " ( Rudolf Steiner : " Geisteswissenschaftliche Menschenkunde ", GA 107, Vortrag vom 3. 5. 1909, S. 278 u. 283 ).
 "Erst in der Mitte der atlantischen Zeitepoche ungefähr gelangen wir an den Zeitpunkt, wo der Mensch in der Hauptsache seine Menschengestalt erhalten hat, wie wir sie heute kennen. Vorher war der Mensch durchaus nicht in einer solchen Weise fest wie nachher, sondern sein ganzer materieller Inhalt, wenn wir uns so ausdrücken dürfen, war weicher. In der ersten atlantischen Zeit finden wir den Menschen aus weicher Materie bestehend, die noch nichts von der heutigen Knochenhärte hatte, ja nicht einmal so fest wie Knorpel war. Der Mensch schwamm sozusagen noch herum in der noch ganz von dichten Wassern angefüllten und durchsetzten Luft, er war eine Art von Wasserwesen, in der Art, wie es heute gewisse Tiere gibt, die man kaum vom Wasser unterscheiden kann. Veranlagt war auch damals schon in den Kräften der Knochenbau, aber er war noch nicht verhärtet. " ( Rudolf Steiner : " Welt, Erde und Mensch ", GA 105, 6. Vortrag, Stuttgart, 10. 8. 1908, S. 97 ).
 So wie für die weichkörprigen Menschenvorfahren selber gibt es nun aber auch Indizien für solch eine wässrige Atmosphäre. Ich möchte sogar behaupten : man ist aufgrund der vermeintlichen " Absurdität " einfach noch nicht auf solche Ideen gekommen, die Phänomene dafür aber sind überreichlich vorhanden.

 

Sintflut-Sagen

 Die Menschen der Mittelsteinzeit finden sich auf der ganzen Welt als Überlebende einer der größten Katastrophen, welche die Menschheit je erlebt hat. In den weltweiten Sintflutsagen - von Australien über Neuguinea, den Fidschi - Inseln über Süd - , Mittel - und Nordamerika, Afrika, Europa bis Ostasien - scheint sich eine gemeinsam erlebte grauenhafte Naturkatastrophe ins kollektive Unterbewusstsein der Menschheit eingegraben zu haben ; geht man nach diesen Sagen, ist eine gewaltige weltweite Überflutung so gut wie sicher. Uns am bekanntesten ist die biblische Sintflutsage und die griechische von Deukalion und Pyrrha. Als wahrscheinlichste Ursache der Sintflut gilt das verblüffend plötzliche Abschmelzen der Gletscher am Ende der letzten Eiszeit, als alle Kontinentalschelfe unter Wasser gesetzt wurden. Aber so rasant das Eis auch schmolz : nie kann dies so schnell gegangen sein, dass die Menschen nicht hätten fliehen können.

 

 Über alle Eisschmelze hinaus ist nach Rudolf Steiner ein ganz anderer Faktor für die Sintflut verantwortlich : der gewaltige Niederschlag der " atlantischen " Nebel - Atmosphäre. Was nämlich bei den meisten Sintflut - Sagen auffällt, sind ungeheure Regenfälle. Allein aus dem Abschmelzen der Gletscher sind diese nicht erklärlich. Steiner macht darauf aufmerksam, dass die Sintflut-Regenfälle sich bis nach Sibirien erstrecken, wo er sie für das Schock - Gefrieren der Mammute ( sie haben noch das Gras im Maul ) verantwortlich macht.
 Welch ungeheure weltweite Umwälzung damals insgesamt stattfindet, zeigt allein das Aussterben der Eiszeit - Großtierfauna, ein absolut rätselhafter Vorgang, der sich an keinem Kaltzeit / Warmzeit - Wechsel vorher in diesem Ausmaß abgespielt hatte - das größte Massenaussterben der neueren Erdgeschichte seit dem Exodus der Saurier. Nicht nur das Mammut, sondern der größte Teil der eiszeitlichen Fauna stirbt aus : Mastodon, Megatherium, Wollhaarnashorn, Höhlenbär, Höhlenlöwe, Riesen - Hirsch, Riesen - Wolf, Riesen - Biber, Steppen - Wisent, Riesen - Gürteltier, im Mittelmeergebiet der europäische Waldelefant, europ . Flusspferd, Waldnashorn, Steppennashorn, dazu etliche Großtiere auf anderen Kontinenten. Allein diese ökologische Katastrophe zeigt die Wucht der Veränderungen in den Lebensbedingungen der Erde am Ende der Eiszeit.
 Für die Nebelatmosphäre spricht auch z. B., dass in der südamerikanischen Viracocha - Sage erst nach der Sintflut Sonne und Mond erschaffen werden - sie werden erst sichtbar, als sich die Nebel niedergeschlagen haben. In der Bibel erscheint erst nach der Sintflut der Regenbogen - es kann ihn in der Nebel - Atmosphäre noch nicht gegeben haben. Das " Niflheim " der Germanen ist Rudolf Steiner zufolge eine Erinnerung an die nebelgeschwängerten Lüfte des Tertiär und Quartär. In dieser Nebelatmosphäre, die nach Steiner, je weiter man zurückgeht, immer dicker wird, schwebten ( nicht mehr ganz bis zum Schluss ) die weichkörprigen, grazilen und wesentlich leichteren Menschenvorfahren.

 

Spuren in der Landschaft

 In verblüffender Weise ist nun diese Nebel - Atmosphäre von dem anthroposophischen Geologen Dankmar Bosse ( " Die gemeinsame Evolution von Erde und Mensch ", Stuttgart 2002 ) nachgewiesen worden, und zwar gleich in mehrfacher Weise. Das Erste ist die Morphologie unserer Landschaft. Denn die Phänomene der " Kerbtäler ", " Hoch - Täler " und der " Fast - Ebene " sind gar nicht anders zu erklären als mit sich schnell wandelnden Wasser - Luft - Verhältnissen. Unsere gegenwärtige vom Wasser herausmodellierte Landschaft ist offensichtlich erst ein Ergebnis der Vorgänge im Pleistozän, also der Eiszeit. Davor " war alles ganz anders ", gar nicht mit heutigen Begriffen fassbar.
 Kerbtäler : dies sind die " normalen " heutigen engen V - förmigen Täler - allerdings : es gibt auch noch engere : ich kenne z. B. eine etwa 30 - 40 m tiefe Schlucht im Allgäu, die so schmal ist, dass man oben fast oder tatsächlich drüberspringen kann ! Und es heißt, diese Schlucht sei erst nach der letzten Eiszeit eingeschnitten worden. Natürlich geht soetwas nur in festerem Gestein ( dort : Nagelfluh ), normalerweise bildet sich durch Hang - Rutsche immer eine V - Form aus. In jedem Fall sind diese V - förmigen Kerbtäler insgesamt eine junge Erscheinung, nicht älter als die Eiszeit ( das ganze Pleistozän ).
 Davor, etwa die ganze zweite Hälfte des Tertiär, hat ein offenbar anders beschaffenes Wasser keine tiefen mäandrierenden Kerbtäler, sondern mit z. B. 20 km ungeheuer breite und flache wenig mäandrierende Rinnen ausgewaschen ( beim Nil 200 km breit ! ), die auf der ganzen Welt - in Europa besonders deutlich in Alpen und Mittelgebirgen - als Hochtäler heute noch zu sehen sind. ( Es ist hier nicht der Gegensatz zwischen den bekannten, durch das Eis ausgehobelten U - Tälern und den durch das Wasser ausgeschnittenen V - Tälern gemeint, obgleich letztere natürlich mit den Kerbtälern identisch sind. Die breiten, flachen Hochtäler sind etwas ganz anderes als die späteren U - Täler ! ).
 Natürlich gibt es zwischen den breiten Hoch - und den tiefen Kerbtälern auch Übergänge. Und da die Natur überall Sprünge macht und selten eine Entwicklung wirklich kontinuierlich verläuft, so kann man z. B. in den deutschen Mittelgebirgen (
wo das Eis keine U-Täler gehobelt hat ) bei vielen Flüssen heute noch deutlich drei regelrechte Terrassen erkennen, entstanden während der Sintflut-Regenfälle zu Beginn der letzten drei Warmzeiten : die oberste Terrasse ist noch sehr flach, geht in Richtung Hochtäler, die unterste Terrasse ist ( falls der Fluss nicht sekundär wieder aufgeschottert ist, weil das Tal früher einmal viel tiefer war ) ein typisches V - Kerbtal, und die zweite Terrasse liegt in der Mitte dazwischen. Die Terrassen entsprechen den drei letzten Warmzeiten (z wischen den Vereisungen ), deren letzte das Holozän, die " nachatlantische " Zeit ist. In diesen ( und natürlich auch den früheren ) Warmzeiten schlugen sich laut Steiner die atlantischen Nebel in Sintflut - Regenfällen nieder ( es gab also mehrere Sintfluten ).
 Vor dem Oligozän ( 3. Abschnitt des Tertiär ) aber hatten sich noch nicht einmal die breiten Hochtäler gebildet ; Gebirge wurden bereits im Entstehen offensichtlich von " Zyklonen " flach abrasiert, die man sich als Mittelding zwischen heutigen Stürmen und Meeresströmungen vorstellen muss, da sehr viel Wasser noch in der Luft enthalten war. Vordem Tertiär, ja noch am Anfang desselben, gab es also keine Berge, sondern fast nur Ebenen, auch die " offizielle " Geologie spricht von der früh - tertiären " Fast-Ebene ". In der " Gipfelflur " der Hochgebirge ( alle Spitzen liegen etwa auf gleicher Höhe ) kann man weltweit diese Ebene noch beobachten, nur an manchen Stellen noch überragt von einzelnen Härtlingen, die der Abrasion durch besagte " Zyklone " getrotzt haben - die ersten ( nichtvulkanischen ) Berge überhaupt. ( Bilderbuchmäßig ist eine von Kerbtälern durchfurchte Hochebene mit einigen sie überragenden Härtlingen im norwegischen Fjäll zu beobachten. Die von Selma Lagerlöf im " Nils Holgersson " dazu überlieferte Sage besagt, dass an diesen Stellen ein Riese seinen Hut, seine Schuhe usw. hingeworfen habe, das Wasser habe diese später nicht wegzuwaschen gewagt ! ).
 Die zeitlichen Grenzen zwischen den verschiedenen atmosphärischen Verhältnissen - zwischen der " Kerbtäler " -, der " Hochtäler " - und der " Ebenen " - Zeit - muss man sich in den verschiedenen geographischen Breiten unterschiedlich verlaufend vorstellen.
 " Der Übergang von den flächig verebnenden Luft - Wasser - Wirbeln zu den einschneidenden Flüssen bildete sich vor allem während des Tertiärs heraus. Morphologisch kann er am schrittweisen Übergang von der Ebenheit zu Hoch - oder Plateautälern beobachtet werden. Sie bildeten kilometerbreite, wannenartige Abflusssenken mit geringem Gefälle, die nur flach eingetieft waren und ihre generelle Richtung über weite Strecken beibehielten. Flussläufe im heutigen Sinne gab es in diesen Hochtälern meines Erachtens noch nicht. Die Schotter sind über kilometerweite Flächen ausgebreitet, wie es bei allen Hochterrassen belegt werden kann, z. B. bei Elbe, Rhein, Saale oder auch bei den Bohnerzen der Schwäbischen Alb.
 Während des Jungtertiärs und am Anfang des Pleistozäns schlug sich die Hauptmenge der Wassermassen nieder. Dies geschah räumlich und zeitlich differenziert über die Erde hin. Das Maximum dürfte zwischen dem Miozän ( 4. Abschnitt des Tertiär ) und dem Elsterglazial ( drittletzte Vereisung im Pleistozän ) gelegen haben. ( ... ) Innerhalb der mehr weiten, geradlinigen Hochtäler begannen sich Ströme und Flüsse zu konzentrieren und bildeten Mäander aus. Während der Eiszeit wurden die Hochtäler immer tiefer zu Kerbtälern eingeschnitten. Dabei wurden die Mäander der Hochtäler mitunter in ihrem ursprünglichen Verlauf tiefer gelegt, wodurch sich mäandrierende Kerbtäler ausbilden konnten, z. B. bei Rhein, Mosel oder Main. Die Niederschlagsmenge nahm zum Ende der Eiszeit hin immer mehr ab. Unsere heutigen Flüsse sind gegenüber den breiten Strömen der Hochtäler nur letzte schmale Rinnsäle. " ( Dankmar Bosse : " Die gemeinsame Evolution von Erde und Mensch " , Stuttgart 2002 ).

 Für die " Fast - Ebene ", genauso wie für etliche andere von Bosse aufgeführte Phänomene, gibt es in der " konventionellen " Geologie durchaus andere Erklärungsmodelle. Spricht das gegen Bosses Anschauungen ? Um zu beurteilen, welches Erklärungsmodell den damaligen Tatsachen entspricht, muss man den Gesamtzusammenhang berücksichtigen.

 Nach Bosse gab es also vor dem Jungtertiär keinen Wasserkreislauf im heutigen Sinne ; die von Steiner geschilderten atlantischen Nebel schlugen sich noch nicht als Regen nieder. In den Tropen sind die Eiszeiten der Wissenschaft als Regenzeiten bekannt. So ergab sich für Bosse die Eiszeit als die Zeit der Sintflut ( en ), in der sich die tertiären Nebel in gewaltigen Regengüssen niederschlugen, durch die einsetzende Kälte dann wieder als Eismassen gebunden.

 

Tieferliegender Meeresspiegel

 Welch ungeheure Wassermassen vorher in der Luft gewesen sein müssen, zeigen die Spuren der anfangs des Tertiär tatsächlich noch geringen Wassertiefe in den Ozeanbecken. ( Dies ist allerdings nur vorzustellen, wenn die Atmosphäre noch weit höher in den Weltraum hinaufreichte, was nach Rudolf Steiner auch der Fall war .
 Verblüffend sind in der Tat die Indizien für ein relativ spätes Auffüllen der Ozeanbecken. Da sind einmal die norwegischen Fjorde, die eine Tiefe von bis zu 1000 m erreichen und eindeutig abgesenkte Flusstäler sind ( die Hebung Skandinaviens seit der Eiszeit beträgt 60 m ; das kommt noch hinzu !) - mindestens um so viel muss der Meeresspiegel vor noch gar nicht so langer Zeit einmal tiefer gelegen haben ! -, weiter die untermeerischen mäandrierenden Canyons auf den Kontinentalschelfen, die teilweise weit unter die 100 - 150m-Marke, die die Ozeane nach " offizieller Lesart " in der Eiszeit tiefer lagen, hinuntergehen, beim Kongo - Canyon im Schelfgebiet ca 500 m, aber am Kontinentalabhang bis 4500 m Tiefe ! Ähnlich ist es bei vielen anderen untermeerischen Einschnitten, z. B. beim Baltimore Canyon, beim Indus - und vor allem beim Ganges - Canyon, der sich noch viele Hunderte von Kilometern in den Golf von Bengalen hineinzieht, sich dabei deltaartig verzweigend. Manche dieser Canyons sind vor etwa 10 Mio. Jahren entstanden, was die beliebte These, sie seien während der Eiszeit ausgewaschen, als die Schelfe freilagen, ad absurdum führt.
 Geologisch werden die submarinen Canyons heute etwas anders erklärt : " Unmittelbar nachdem Kuenen ozeanische Suspensionsströme ( Sandströme, Trübeströme ) vermutet hatte, kam die Vorstellung auf, dass ihre Erosionskraft auch die submarinen Canyons auf den zahlreichen Kontinentalschelfen eingeschnitten haben könnte, wobei diese Vorstellung über viele Jahre umstritten blieb. Die submarinen Canyons waren zwar bereits bis in alle Einzelheiten kartiert worden und von ihren Wänden und Böden hatte man viele Fotos gemacht und Proben gesammelt, aber sie gehörten zu den erstaunlichsten morphologischen Erscheinungsformen der Kontinentalränder. Als man sie 1934 entdeckte, glaubten einige Geologen, dass sie von Flüssen gebildet worden seien. Doch diese Vermutung konnte unmöglich die alleinige Erklärung sein, denn die Böden der meisten dieser Canyons liegen in Tiefen von mehreren Tausend Metern. Das ist weit mehr als die geschätzte Tiefe von 100 m, bis zu der sich Flüsse während der maximalen Absenkung des Meeresspiegels im Lauf der Eiszeiten einschneiden konnten. Ungeachtet dessen sind die flacheren Teile einiger Canyons in Zeiten niedrigen Meeresspiegelstandes ohne Zweifel Flussrinnen gewesen.
 Als derzeit bevorzugte Erklärung für die Entstehung der tieferen Teile der Canyons gelten Trübeströme, auch wenn andere Strömungsarten ebenfalls in Betracht gezogen wurden. Ein Vergleich moderner Canyons und ihrer Ablagerungen mit gut erhaltenen, ähnlichen Bildungen aus der geologischen Vergangenheit, besonders die Verteilung der auf submarinen Fächern abgelagerten Turbidite, hat diese Annahme bestätigt. " ( Frank Press, Raymond Siever : " Allgemeine Geologie ", Heidelberg / Berlin / Oxford 1995 ).
 Es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf ! Dass Sand- und andere Trübeströme weichen Meeresboden auch erodieren können, wenn der Hang steil genug ist, soll nicht bestritten werden. Dass sie aber beim Indus und Ganges mehrere tausend Kilometer weit in den Ozean hinein untermeerisch ein riesiges typisches und ganz flaches Flussdelta erzeugen sollen, welches jedes oberirdische Delta um Größenordnungen übertrifft, ist schlicht absurd. Außerdem bliebe immer noch die Frage nach der Entstehung der norwegischen Fjorde bestehen.

 Teilweise sind die Canyons mittlerweile bis in die heutigen Flussläufe hinein wieder aufgeschottert ; das Elbtal bei Hamburg z. B. war während der Eiszeit 300 m tief, mindestens so tief muss damals also der Meeresspiegel gelegen haben !

 Andere Indizien für ein früheres Tieferliegen des Ozeanspiegels sind Erosionsflächen ( Schicht - Lücken ) in Meeresablagerungen, sogar auf den Flutbasaltflächen im Pazifik, die also einmal über dem Meeresspiegel gelegen haben müssen, Flachmeer - Ablagerungen fast überall in der heutigen Tiefsee sowie isolierte uralte Floren - und Faunen - Bestände auf vielen Ozean - Inseln ( Madagaskar, Hawaii usw. ), die irgendwann einmal trockenen Fußes über den heutigen Ozeanboden zu besagten Inseln gewandert sein müssen. Eindrucksvollstes Beispiel sind die Riesen - Landschildkröten der Galapagos -I nseln.
Dankmar Bosse führt weiterhin noch die " Guyots " als Indiz für einen tieferliegenden Meeresspiegel an. Guyots sind untermeerische Tafelberge, Vulkane, die einmal über Wasser geschaut haben, wodurch deren Spitze durch Erosion eingeebnet wurde. Man stellt sich heutzutage vor, sie seien ganz langsam durch ihr eigenes Gewicht versunken ; Bosses Sichtweise aber hat, nimmt man alle anderen Phänomene zusammen, mindestens genausoviel für sich.

 Trotz allem wirft dieser Punkt enorme Fragen auf. In der Oberkreide und im Tertiär gibt es überall auf den Kontinental-Schollen große Flachmeere, die teils sehr schnell ihre Gestalt wechseln, durch Meeresablagerungen ( Muscheln, Haifischzähne usw. ) eindeutig belegt. Kontinentale " Flachmeere " und gleichzeitige mäandrierende untermeerische Canyons bis in mehrere Kilometer Tiefe passen nicht zusammen, hier scheint Phänomen gegen Phänomen zu stehen. Warum floss das Wasser der " Flachmeere " - z. B. der Turgaistraße östlich des Ural - nicht in die halbleeren Ozeanbecken ?
 Einen Schritt weiter kommt man vielleicht, wenn man Rudolf Steiners Schilderung berücksichtigt, in der Atlantis sei das Wasser wesentlich dünner, die Luft wesentlich dicker als heute gewesen : " Ob man sich nach heutigen wissenschaftlichen Begriffen eine solch größere Dichte der Luft leicht vorstellen kann, darf uns hier nicht beschäftigen. Die Wissenschaft und das logische Denken können, ihrem ganzen Wesen nach, niemals etwas darüber entscheiden, was möglich oder unmöglich ist. Sie haben nur das zu erklären, was durch Erfahrung und Beobachtung festgestellt ist. Und die besprochene Dichtigkeit der Luft steht für die okkulte Erfahrung so fest, wie nur irgendeine sinnlich gegebene Tatsache von heute feststehen kann. - Ebenso steht fest aber auch die vielleicht der heutigen Physik und Chemie noch unerklärlichere Tatsache, dass damals das Wasser auf der ganzen Erde viel dünner war als heute." ( Rudolf Steiner : " Aus der Akasha-Chronik ", GA 11).
 Bosses Überlegung dazu ist, ob das Flachmeer - Wasser damals vielleicht ein anderes gewesen ist als das Ozean - Wasser, ob es also verschiedene Wasser - Schichten und - Qualitäten gegeben hat, wie Rudolf Steiner solches für andere Zeiten, z. B. den Jura, durchaus angibt. Zweifellos ist dies eine der schwierigsten Fragen innerhalb dieses Komplexes und für jeden Einzelnen nur durch ein längeres meditatives Umgehen damit zu klären - oder dann, wenn weitere Phänomene dazu vorliegen. Für jeden " normal denkenden " Zeitgenossen ist selbstverständlich, dass hier der blühendste Unsinn vorliegt.
 Dennoch ist dies kein " spezifisch anthroposophisches Problem ". Der " Widerspruch der Phänomene " - hier Flachmeer - Ablagerungen auf den Kontinenten, da untermeerische Canyons in den Schelfen und norwegische Fjorde - bleibt auch für den " normalen " Geologen bestehen ; man drückt sich aber davor, indem man für die Canyons eine an den Haaren herbeigezogene Erklärung annimmt und die Fjorde nicht weiter beachtet.

 Ein weiterer sehr deutlicher Verräter einer dicken, wässrigen Atmosphäre und gleichzeitig der Weichheit der Gesteine, je weiter man in der Erdgeschichte zurückgeht, ist der Sandstein. Länder- bis kontinentweite Sandsteinflächen des Erdaltertums und Erdmittelalters geben der heutigen Geologie unlösbare Rätsel auf. Waren dies Meeresstrände oder Flussläufe ? Dann sind die riesigen Flächen nicht erklärbar. Waren es Wüsten ? Der größte Teil heutiger Wüsten sind Steinwüsten, der Sand wird ständig weggeweht, hat gar keine Chance, sich in Jahrmillionen mehrere hundert Meter hoch in gleichmäßigen Schichten abzulagern. Bosse konstatiert als einzige wirkliche Erklärung eine dicke, dichte wässrige Atmosphäre, welche die im Paleozoikum und Mesozoikum noch weichen Gebirge im Entstehen abrasiert - sie haben gar keine Chance, sich aufzutürmen - und das Material weitflächig ablagert. Die damalige Erde war tatsächlich ein " Weichei " ! Damit korrespondiert die bereits angeführte " Fast-Ebene ", das Fehlen eines wirklichen Landschafts - Reliefs in allen geologischen Erdzeitaltern bis ins frühe Tertiär hinein. ( Natürlich wird ein Landschaftsrelief heute auch ins Meso - und Paleozoikum hinein extrapoliert. Allein die vielen Fälle aber, wo Gesteinsschichten diskordant, also schräg abgeschnitten und waagerecht von der nächsten Schicht überlagert werden, beweisen letztlich das Gegenteil ).
 Früher war man der Ansicht, die Saurier seien allesamt Sumpftiere gewesen, die ihre massigen Körper auf festem Land nur schwerlich schleppen konnten. Das Flusspferd ist auch heute noch ein " Saurier-ähnliches " Tier, das seinen schweren Körper größtenteils vom Wasser tragen lässt. Von dieser Vorstellung ist man aber bei den Dinos längst wieder abgekommen, weil man davon ausgeht, die Erde sei in ihrer Konsistenz schon immer so fest gewesen wie heute - nteressant ist aber doch, dass man sich damals aufgrund des Körperbaus der Giganten zu dieser Annahme gedrängt fühlte. Sie entspricht vermutlich der Wahrheit, denn die Erde war in der Lemuris weicher als heute, je weiter man zurückgeht, desto mehr.

 Absolut frappierend ist noch ein weiteres Indiz für die Weichheit der Erde, welches Dankmar Bosse anführt : die großen Gesteins - Formationen ( " Stockwerke " ) Peridotit, Basalt, Granit, Gneis und Glimmerschiefer enthalten Gesteinslinsen aus jeweils darunter - oder darüberliegenden Schichten. Diese Linsen können wohl kaum anderes als flachgedrückte große Tropfen aus der darunter - oder darüberliegenden Schicht sein ; die " frühlemurische " Erdkruste ist eine " Linsensuppe " !

 Selbstverständlich sind viele der von Bosse aufgeführten Phänomene auch anders erklärbar, vor allem einzeln : in ihrer Gesamtheit aber ergeben sie doch ein sehr anderes Bild unserer Erdvergangenheit, als man es normalerweise kennt. Natürlich sind damit nicht alle Unsicherheiten ausgeräumt - aber mehr als Wahrscheinlichkeiten mit ständig wechselnden Prozentzahlen haben auch die anerkannten Lehrmeinungen in Geologie und Biologie nicht zu bieten, am allerwenigsten sogar der Darwinismus.

 Man muss sich nicht für Wissenschaft oder Spiritualität entscheiden ; Wissenschaft und Spiritualität sind kein Widerspruch ; die materialistische Ideologie aber kann rein wissenschaftlich überwunden werden. Die esoterische Evolutions - Auffassung ist nicht so absurd, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

 

 

 

Literaturverzeichnis

Rudolf Steiner :

  • " Die Philosophie der Freiheit " 1894, überarbeitet 1918, ( GA 4 )
  • " Goethes Weltanschauung " 1897 ( GA 6 )
  • " Aus der Akasha-Chronik " 1904 ( GA 11 )
  • " Die Geheimwissenschaft im Umriss " 1910 ( GA 13 ) - Alle im Rudolf Steiner Verlag, Dornach

Es wären noch sehr viele Vortragsnachschriften von Rudolf Steiner anzuführen, in denen Probleme der Evolution besprochen werden ( s. o. die Zitate im Text ) - das Problem ist nur, dass dies zuallermeist nur einzelne " Evolutions - Passagen " inmitten von ganz anderen Themengebieten sind ; " Akasha - Chronik " und " Geheimwissenschaft " sind die einzigen wirklich zusammenhängenden großangelegten Darstellungen.

Hermann Poppelbaum : " Mensch und Tier " 1928, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt / M 1981

Karl König : " Embryologie und Weltentstehung " 1967 Oratio Verlag, Schaffhausen 1986

Erich Blechschmidt : " Vom Ei zum Embryo " DVA, Stuttgart 1968

Kaspar Appenzeller : " Die Genesis im Lichte menschlicher Embryonalentwicklung ", Zbinden Verlag, Basel 1976

Friedrich A. Kipp : " Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit " Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1980, überarbeitet u. ergänzt 1991

L. F. C. Mees : " Tiere sind, was Menschen haben " J. Ch. Mellinger Verlag, Stuttgart 1987

Jos Verhulst : " Der Erstgeborene " 1998, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1999

Dankmar Bosse : " Die gemeinsame Evolution von Erde und Mensch " Verlag Freies Geistesleben Stuttgart 2002

Andreas Delor : " Kampf um Atlantis " Info3 - Verlag, Frankfurt 2004

Martin Frey : " Mehr Wasser "
www.mehr-wasser.ch/de/index.php ?option=com_contact&task=view&contact_id=1&Itemid=9

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