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BIPEDIA 19.6
DARWIN & LYELL
VON ROBERT ZUBERBÜHLER

Première publication : janvier 2001, mise en ligne : samedi 5 juillet 2003


 Wie soll man die eigene affektive Geistesverfassung erkennen, wie kann man dabei unser wissenschaftliches Denken und Werten als unabhängig-objektives Werkzeug benutzen, wenn es selber das Produkt und der Ausdruck dieser Gesellschaft ist ? Wenn man selber in ihr schwimmt, gar, wenn man andere Lebensweisen fast nicht kennt ( oder verachtet ) und die eigene als erfolgreichste, an der Spitze stehende erlebt und naiv als Wertmassstab für alle Werte benutzt ? Im blauen Licht scheint alles Blau, Hell- oder Dunkelblau. Auch das wirkliche Blau, wie soll man nun Blau, Weiss, Gelb, Grün, Rot und Schwarz sicher unterscheiden, oder gar Zwischentöne, Nüancen wie Violett oder Orange ?

 In dieser Lage und Beleuchtung leben wir seit langem, und jetzt bald die ganze Welt, lebten schon im letzten Jahrhundert Lyell und Darwin. Ihr Biotop war die imperiale Eigentumsgesellschaft in ihrer fortschreitend-"fortschrittlichen" englischen Hochblüte als Manchestertum, und die imperial weit ausgreifenden Wissenschaften waren ihr intelligent-lebendiges Pendant, ihre Schrittmacher, ihr mit Erfindungen zudienend, sogar sie antreibend, lobend, preisend, vom gleichen Geist geformt weil aus gleicher Wurzel entstanden.

 Drum ist es selbstverständlich, dass ihr Seinsgrund wieder auf sie abgefärbt hat und ihre Theorien nicht nur formal von der gemeinsamen Wurzel her, sondern auch affektiv gleich getönt, zeit- und milieugebunden, sowohl optimal angepasst wie spezifisch beschränkt waren. Daraus soll ihnen kein Vorwurf gemacht werden ( es gilt auf irgendeine Weise ebenso für alles hier Vorgebrachte, nunmehr gefärbt von einer krisenhaften Zeit ). Ihre solchermassen geprägte Geisteshaltung, weil von den Nachfolgern zuwenig hinterfragt, vereinfacht heute noch als Denkschema die Sicht auf das vieleswollende Leben. Sie sehen dementsprechend zuerst und fast ausschliesslich den Egoismus und den Konkurrenzkampf ums Überleben, genau entprechend den Spielregeln der aktuellen Gläubiger-Schuldner-Gesellschaft. Sie glauben im vollen Ernst, das sei eine streng sachliche Feststellung - keinesfalls subjektiv und affektiv - moralistisch wie die Meinungen jener, die zusätzlich auch von Mitgefühl, Einfühlung, gegenseitiger Hilfsbereitschaft, von Wählenkönnen und - wollen, von Spiellust, Freude an Schönheit usw. reden, welches bei Menschen ( und wohl auch bei andern Tieren ) vorkommen kann, so gut wie Egoismus und Gewalt.

 Aber Leben will leben, so erlebt es sich selbst ( subjektiv, von innen ), die Betonung auf "Überleben" bei unsern Biologen ist ideo-logisch, ist unbemerkte Übertragung von der Geldwirtschaft her, wo das Überleben wichtiger ist als die Lebensbedürfnisse, welche "nur Antrieb" im Geldgewinnspiel sind. Von aussen ( ’objektiv’ ) gesehen ist Leben gleichwichtig wie Tod, sie bedingen sich gegenseitig. Da "will" Leben sich selber nützen und muss sterben um den andern zu nützen, als komplex-komplementärer Kreislauf. Dieses Gegenseitige als ein überall Wichtiges und Waltendes zu sehen, wäre ein vertieftes Nachdenken wert. Oder die simple Beobachtung ernst zu nehmen, dass dem Kampf meistens ausgewichen wird, dass halt einfach Nischen besetzt werden, Kompromisse eingegangen werden, dass die Umweltbedingungen wichtiger sind als der Kampf gegeneinander, oder dieser eher gegen Artfremde ( oder bei den Menschen als ’artfremd’ Erklärte ) geführt wird. Zuletzt und vielleicht auch zuerst wäre zu bedenken, dass jeder Mensch, jedes Wesen einen zum grössten Teil unbekannten ’Notvorrat’ an Eigenschaften/Fähigkeiten hat, der eben auch nur in extremen Situationen hervortritt, sei es dann zum Guten oder Bösen.

 Subjektiv ausgewählt und affektiv gesteuert sind mehr oder minder alle Urteile ( kollektive, zur Zeit ’überall’ geltende glaubt man als objektiv ), das haben unterdessen selbst die Logiker entdeckt, und so könnte man, über die darwinistischen Vorurteile hinweggehend, endlich zur Sache kommen, zum vielfältigen, vieleswollenden Leben, das man tatsächlich vorfindet.

 Lyell und Darwin stehen in einem noch grösseren Zusammenhang mitsamt allen damaligen Naturwissenschaftlern insofern, als das vorher gültige hierarchische Schöpfungsbild, Gott ausserweltlich und uranfänglich an oberster Stelle, Schöpfer aller Welten, der weiten Erde, der Menschen, Tiere, Pflanzen, Winde und Gewässer, vom Gelehrten Lamarck auf den Kopf gestellt wurde. Jetzt, in Lamarcks Entwurf, begann das Leben mit Infusorien und entwickelte sich von ’unten’ immer ’höher’ bis zur Krone Mensch. Derartig blosses Auf-den-Kopf-stellen ist nie wirklich neuartig, es bringt meist nur anders-schräge Erklärungen anstelle der vorherigen. Immerhin hatte man damit so etwas wie eine atheistische Schöpfungsgeschichte von noch unerforschtem Ausmass, willkommen den Wissenschaftlern sowohl wie der Gesellschaft, die seit der französischen Revolution nur noch ein wirkliches Credo hatte, möglichst viel Geld-Eigentum zu erwerben. Ein allzu nüchternes und reduziertes Glaubensbekenntnis. Nun bot ihr die Wissenschaft, welche behauptet, nur die Wahrheit zu wollen und jeden Glaubenstrug zu verdammen, ein neues Weltbild an, das - man begreift es - Vertrauen und damit Glauben fand. Von ausserhalb von ’Blau’ gesehen, ist es vielfach nur Glaube, Religionsersatz zum allermindesten, und durch Darwin bio-logisch mit der reduzierten Wertskala der Geldwirtschaft fest verknüpft. Statt mit dem alten Glauben müssen wir uns jetzt mit seinem Ersatz herumschlagen - kein grosser Fortschritt.

 Ist es also einfach Egoismus, wenn die Grossmutter mithelfen, wenn sie ( wie etwa in der Frühzeit ) die besseren Knollen kannten und fanden, wenn sie wie zu allen Zeiten, die Kinder umsorgen, den Enkeln Lieder vorsingen, ihnen kleine Fertigkeiten beibringen, sie Spiele lehren, von früheren Zeiten erzählen, so die Generationen mit Gefühl und Verstand, mit Rat und Tat verbinden, so auch die Mütter, auch die Väter entlasten ? Was habe ich alles von meiner Grossmutter mütterlicherseits mitbekommen ( die andere ist vor meiner Geburt gestorben ), was hat sie alles, bewusst und unbewusst uns/mir gegeben ! Selbstverständlich auch zu essen, aber auf welche Weise : In der Küche durfte ich zuschauen, wie die Spiegeleier in der Pfanne brutzelten, die Rösti gebraten und gewendet wurden, dann hiess es, weil ich damals ’nervös’ und kränklich war "Iss Robertli, iss, dass du stark wirst", und es war gut und sie drängte mir nichts auf, das ich nicht mochte ( in erfreulichem Gegensatz zu meinem Vater ). Ihre Stube war meist voll Enkel und Nachbarskinder. Bei ihr hörte ich alte Volkslieder von heimwehkranken schweizer Söldner, Liebeslieder, aber auch den neuesten Schlager von Zeppelin. Sie erzählte von den Soldaten der Bourbaki-Armee, die 1870/71 in die Schweiz abgedrängt worden waren und interniert wurden, von denen einige bei ihnen im Stall im Stroh unterkamen. Als ihr Sohn
-  mein Götti - ein Fräulein aus Basel geschwängert hatte und er ausriss, rief sie ihn zurück und sagte : "Du dummer Bub, heirate sie, sie ist die Beste die du haben kannst". Das Urteil stimmte. Sie nahm das Klärchen gleich in ihren Haushalt auf. Ich hab es als kleiner Bub miterlebt, wie nun das fremde Vögelchen fröhlich zwitscherte, während die Nähmaschine schnurrte, weil da Kinderkleidchen entstanden. Doch gehört zu diesem schönen Bild auch, dass ihre zwei längst erwachsenen Töchter ( meine Mutter und meine Gotte ) mit ihr sehr erhebliche Schwierigkeiten hatten. Das war ihre andere, befehlerische Seite. Wenn ich also ein ( allein ! ) an der Ernährung orientiertes Urteil lese wie das von der Anthropologin Kristen Hawkes von der Universität Utah : Frauen erreichen ein so hohes Alter, um abzusichern, dass ihre Enkelkinder etwas zu essen erhalten. Dabei handeln die Grossmütter - evolutionstheoretisch gesehen - egoistisch, denn erstens überleben ihre Enkelkinder, zweitens werden ihre Töchter fruchtbarer, und drittens kommen die grossmütterlichen Gene weiter ( Tages-Anzeiger Zürich, 22. Nov. 97 ).

 Dann fluche ich wieder einmal über die verengte Sichtweise der SpezalistInnen, über ihre halben oder sektoriellen Grossmütter wie es sie nirgends in der Welt gibt. Lebendes will doch weit mehr als nur überleben und Gene weitergeben. Wer Essen als das Wichtigste deklariert, hat bloss einer parteiischen Ansicht zum ’Sieg’ verholfen. Zum Glück weist die ganze Untersuchung auf die lang übersehene ( vielfach ) wichtige Rolle der älteren, nicht mehr gebärenden Frauen hin, die gerade dadurch frei werden für die Fortsetzung ihrer mütterlich-fürsorglichen Verhaltensweisen. Traurig bin ich über Frauen wie diese Kristen Hawkes, dass sie ihre reiche menschliche Erfahrung auf einen kleinen Ausschnitt ’wissenschaftlich’ reduzieren, dass sie nicht einmal merken, in welch enges geistiges Laufgitter ihre Professoren sie schon während ihrer Ausbildung eingesperrt hatten. Hinter diesem Zaun dürfen sie dann deren Theorie-Bockmisthaufen nach vorgegebener Methode kultivieren. Begreiflich, dass viele, und nicht die Unsensibelsten, damit erhebliche Mühe haben. Manche kehren diesem Betrieb den Rücken zu, obwohl gerade die Biologie, resp. das sich entfaltende Leben, sie anspricht. In der Kampfsprache der Männer heisst das "sie geben auf". Das eigentliche Hindernis dieser Frauen ist allerdings zu fest, breit und gross und zu tief verankert, als dass Einzelne es beiseite räumen könnten. Schon gar nicht als Professorinnen, denn bis dann sind sie voll integriert.

 So blau wie Blau. Das subjektive, affektive Urteilen ausschalten, bis jetzt eine Maxime unserer Wissenschaften ( und sogar ihr recht affektbetonter Stolz ) - hier zeigt sich die feudal - und eigentumsgesellschaftliche Wurzel ihres Denkens. Man kann das nicht Darwin anlasten, das hat er nur geerbt und mit allen andern Kollegen weitergegeben. Es ist etwas älter, aber zwei noch frühere Lebensweisen, die der sog. Altsteinzeit und der Stämme, letztere mindestens vor der auch sie verstörenden "Katastrophenzeit", haben es nicht gekannt. Vielleicht sind deshalb jene Denkweisen gerade bei unseren Wissenschaftlern nahezu unbekannt, ausgerechnet die Sozio-Biologen scheinen sie nur oberflächlich, im Muster gängiger Meinungen zu kennen. Sind sie ihnen dank ihrer Schulung nicht nachvollziehbar ? Man müsste die Handlungssymbolik jener Stämme zu verstehen suchen, sie ist ein zusammenhängendes Beziehungssystem, welches das ganze Sein, den gemeinsamen Alltag in allen Aspekten, Leben und Tod, umfasst, das uns durchaus verständlich erscheint, sobald wir nicht nur seltsame Details, sondern die Verflechtung der Bedeutungen erfassen, in welchem jedes Teil seinen sicheren Platz hat. Wir könnten vielleicht einen Zugang finden, gerade weil wir vielfach ähnlich archaisch denken. Wenn auch viel weniger aufmerksam wahrnehmend-verbindend als jene Wilden, und zusätzlich abgelenkt durch ganz andere Werkvorstellungen und Gesellschaftsformen.

 Aber so gefühlsausschaltend wie unsere heutigen Wissenschaftler dachten seit der den Stämmen folgenden Feudalzeit die königlichen Herren und Heerführer, die Verwalter und Beamten. In der heutigen Eigentumsgesellschaft durchseucht es als Geschäftsdenken weite Gebiete des Alltags ( zum Glück niemals alle ).

 Es entspricht ganz und gar der Wertordnung dieser Wirtschaft. In ihr gilt nur das gezählte Geld als schuldentilgendes Eigentum, als zählbare Überlebens-Potenz. Güter und Dienste, Essen, Trinken, Arbeiten und Vergnügen, Liebe und Hass sind daneben nur antreibende Nebensache, ausser man könnte wieder "Geld daraus machen". Nur es zählt und garantiert das Überleben, allerdings nur innerhalb ihrer Spielregeln und Zwangsmitgliedschaft. So vereinfacht diese Wirtschaftsordnung das unübersichtliche, oft widersprüchliche Leben durch ihre eisernen Regeln. Und so bewertet die Wissenschaft die Berechenbarkeit von Allem, und der Darwinismus ( potenziert ) das Überleben der Art als das Wichtigste. Das aktuelle Bedürfen, Hunger, Durst, Liebe, Hass, Zärtlichkeit, Treue und Anhänglichkeit, die Lust am Tun und Lassen, am Schaffen und Spiel, sind ihm nicht ’das Eigentliche’ sondern nur Zudiener um zu überleben und Gene dem eigenen Clan weiterzugeben - in frappanter, genauer Analogie zum wirtschaftlich geordneten Verhältnis von Geld zu Bedürfnis.

 Wirtschaft und Wissenschaft spannen auch darum gern gleichsinnig zusammen. Die Nützlichkeit von Erkenntnis für die Patentschöpfung, als neue Form von belehnbarem und verwertbarem Eigentum im Wettbewerbkampf, vermählt dann im Sponsoring-Hochzeitsbett was noch verschieden ist. Beide sind selbstverständlich geschäftlich und wissenschaftlich streng objektiv und ethikneutral. Eigentlich ist ihnen die Ethik entbehrlich ( nur als Verdammung von Betrug nötig ), oder geradezu ein Hindernis der Forschung und des Gewinnmachens. All diese Selbstähnlichkeiten wären schon längst aufgefallen, wenn nicht...
Ja, woran liegt es denn ? Umgekehrt gefragt : Scheint auch deshalb der Darwinismus immer noch so stimmig ( vor allem in den USA ) ?

 Blaublau in Nüancen und Variationen, aber zuverlässig immer blau. Zum Darwinismus, der seinen gesellschaftlichen Nährgrund nicht zur klareren Kenntnis nimmt und darum unbemerkt in seinem Sinn fühlt und denkt, gehört auch die ’Tatsache’, dass alles immer so gelaufen ist wie jetzt, nur nicht so fortgeschritten wie jetzt : Das ist der sog. Aktualismus des Geologen Lyell mit seiner Ausschliessung von katastrophischen Umbrüchen und der gern gefolgerte ’logische’ Schluss des Biologen Darwin, sein Gradualismus ( Allmählichismus ). Kombiniert heisst das : Es gibt keine anderen Vorgänge als was wir heute beobachten können, es gab Evolutionen, gewiss, aber keine Revolutionen, höchstens Epidemien, kleine Krisen, vor allem keine Erdkatastrophen, wie dieser Cuvier behauptet hatte. Ausserdem musste sich Mutation an Mutation wie ein englischer Backsteinbau, aber ohne Plan aufbauen und unzählige Missbildungen überleben, um funktionsfähige Organismen zu bilden. Deshalb ging alles halt viel-zu-viel länger als man bisher glaubte. Darwin und seine Nachfolger forderten ultimativ mehr Evolutionszeit, um die klägliche Qualität ihrer Theorie mit Quantitäten von Jahrtausenden, dann Jahrhunderttausenden, Jahrmillionen, zuletzt Milliarden zu kompensieren. Die Geologen haben sich seither dem Ansinnen willig gefügt und dabei für jedes Zeitalter Millionengewinne ( an Jahren ) gescheffelt. So sind innert bloss hundertfünfzig realen Jahren in kleinen und grossen Theorieschritten die Erdschichten immer älter ( nicht dicker ) geworden, und jedesmal war es das wahre Alter, wurde geglaubt, pardon, gewusst, seit Entdeckung der Radioaktivität und dank dem Spinner Wegener manches etwas besser verstanden. Auch die Katastrophen, sofern sie nur zeitlich weit genug zurückbleiben, werden seit einigen Jahren so nach und nach von der Theorie gnädigst akzeptiert. Schon ist heute der "unsichtbare Kryptovulkanismus", der das Nördlinger Ries verursacht haben sollte, selbst bei den heutigen Geologen vergessen, die ihn in ihrer Jugend noch gläubig lernten und dann dozierten. Andererseits weiss schon kein Geologe mehr, dass man die Milliarden dem Allmählichismus Darwins verdankt. Der Prozess hat sich verselbständigt und beweist längst, dank gesichert millionenalten Schichten, das millionenalte Menschenalter. Der klassische Zirkelschluss. Man sollte ihm endlich offiziell ein Denk mal setzen.

 Und wie steht es mit der Theorie von den blind aufeinanderbauenden Mutationen ? Glaubt noch jemand diesen unwahrscheinlichsten aller Fälle ? Sehen wir doch das Lebensfähige immer nur als ein in sich sinnvoll Verbundenes, und nur als in sich sinnvoll Verbundenes kann es leben und überleben ? Natürlich ist das keine Erklärung, sondern nur eine überall beobachtbare, ansatzweise gedeutete Wahrnehmung. Sie ist so tautologisch wie das "der Fitteste überlebt und der Überlebende der Fitteste ist", aber nicht so eng gefasst wie die darwinistische ’Theorie’. Vorläufig sind beide Redeweisen parteiische Deutungen von Phänomenen, welche die Theorie noch nicht genügend erklären kann. Liegt der Mangel bei den selektiven Wahrnehmungen und/oder der noch vortastenden Beurteilung, oder bei einer Grenze unserer Erkenntnismöglichkeiten ? Der Physik-Nobelpreisträger Pauli sagte denn auch zu einem damals jungen Freund Franz Speck, auf seine kecke Frage, was man schon alles wisse : "Soviel" und zeigte ihm einen schmalen Spalt zwischen Daumen und Zeigfinger. Wenn aber sensationell in der Zeitung präsentiert wird, wie ein ’Augen-Gen’, jenachdem verpflanzt auf den jeweiligen ’Mutterboden’ eines Fliegenbeins oder eines Froschkörpers, ein komplettes Fliegenauge oder Froschauge wachsen lässt, so ist das zwar eine Sensation, aber kein Fachjournalist frägt, wie stark solche ( und ähnliche, zu erwartende ) Phänomena die Evolutionsvorgänge radikal verkürzen. Tausendmal schneller, hundertausendmal, und auf welche Weisen abkürzend ? Fast selbstverständlich wird der widerlich respektlose, fahrlässig dumme, zufällige und unorganische Verpflanzungsversuch nicht einmal als solcher an den Pranger gestellt. Wie spassig !

 Jedoch : auch einem Komponisten kommt eine Melodie nur als ganze, in sich zusammenhängende Form ’in den Sinn’, keineswegs baut er sie aus einzelnen Noten zusammen ( so schreibt er sie nachher bloss auf ). Und er variert sie, variert vielleicht bis keine Note mehr im gleichen Zusammenhang mehr steht, und trotzdem erkennt das Ohr noch die erste Melodie. Dass Kunstformen eine andere Spielart der Natur seien, hat schon Goethe gemeint -- was kann man daraus lernen ? Fragen sind nie dumm, Antworten sind es bisweilen schrieb Oscar Wilde.

 Merkwürdig wenig bekannt bei Biologen ist eine ganze Schule resp. ein grosses wissenschaftliches Institut, das Senckenberg-Museum in Frankfurt a.M., das einen selbständigen, schon weit entwickelten Entwurf für eine neue Evolutionssicht geschaffen hat. Was seine Mitarbeiter - ich erwähne, stellvertretend für alle übrigen, hier bloss W.F. Gutmann und M. Grasshoff - als Evolution der Tiere vorstellen, verwirft das darwinistische Evolutionsbild, wo aus einem amöbenhaften Einzeller, über Schwämme, Hydren und zwielichtige, supponierte "Zwischenformen", das Wirbeltier angeblich entstanden sein soll. Sie sehen die Unzulänglichkeiten der darwinistischen Theorie vor allem darin, wie die Lebewesen verstanden werden. Sie wurden von ihr als Morphotypen beschrieben und in nie erklärte, als ’evolutionär’ interpretierte Reihen eingestuft. Ganz vergessen wurde der Eigendrang als ’biomechanische’ Vorgänge innerhalb des morphologischen Gefüges, d.h. die neue Sicht geht davon aus, dass der Prozess des phylogenetischen Wandels vom Organismus her erfolgt. Die energie-gespiesenen, dementsprechend bedürfnis-bezogenen Umwandlungen formieren sich entlang eng begrenzter organischer und umweltgegebener Faktoren, die dann Möglichkeiten eröffnen und zu anderen Beschränkungen und neuen Möglichkeiten führen. So entstehen die Verzweigungsformen der Evolution - ohne unerklärte klaffende Lücken, gestopft mit bloss supponierten, weil dummerweise fehlenden Gliedern. Die Umwelt verhält sich hierbei weitgehend neutral, passiv bewirkend, nur bei grossen Kataklysmen kann es zum Massensterben kommen. - Wie die Verarbeitung von Krisen verstanden wird, kann ich aus dem mir vorliegenden Schriften noch nicht erschliessen, aber es macht den Eindruck, dass dem Phänomen der auf’s Nächstliegende begrenzten, zielblinden Selbstorganisation diese Funktion zugeschrieben wird. Hier liegt ein grosses Forschungsgebiet noch fast brach. ( Was an dieser Kürzestbeschreibung schief sein könnte, geht allein auf mein Konto ).

 Es gäbe noch so viele Fragen zu stellen, die hier gar nicht erwähnt werden sollen, ausser der einen : Warum hat dieser Darwinismus nicht schon längst abgewirtschaftet ? Ein Freund meinte, er werde wohl nur als Ganzes, durch etwas in sich Schlüssiges abgelöst werden, aber hoffentlich nicht als neuer Religionsersatz. Oder müssen wir vielleicht deswegen noch eine Weile darauf warten, weil - ganz einfach - sowohl das allgemeine Publikum wie die Wissenschaftler in dieser Art, populär gesagt "gnadenlosem wirtschaftlichen Kampf ums Dasein" tagtäglich leben ? Und sich nichts anderes vorstellen können, solange die Gesellschaft um sie herum nicht anders geworden ist ?

 

Scheinbar alles noch Blau.

 

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